Die Erle - Baum des Jahres 2020

Die Erle – Baum des Jahres 2020

Der internationale Tag des Baumes am 25. April 2020 war heuer der Festtag der Erlen.
Erlen, die Pioniere der naturnahen Auen und Feuchtwälder, wurden vom Kuratorium Wald und dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) zum Baum des Jahres 2020 gewählt.

In Österreich gibt es drei heimische Erlenarten: Schwarz-, Grün- und Grauerle.

Alle drei stehen mehr oder weniger mit Fließgewässern in Verbindung.

Aber: Vor  allem die Schwarz- und Grauerle, die in Auen zu finden sind, verlieren zusehends an Lebensraum. Die Schwarzerle findet sich in hochdynamischen Auensystemen des Flach- und Hügellandes. Dort wächst sie oft direkt an Flussläufen und benötigt fast ständige Überschwemmungen, um ihre Konkurrenzstärke zu beweisen – denn keine heimische Baumart verträgt mehr stagnierende Nässe als die Schwarzerle. In Aubereichen, in denen es weniger feucht wird und die meist höher gelegen sind, ist die Grauerle zuhause. Beide Bäume benötigen einen „freien“ Fluss, Verbauungen stören die Dynamik – dadurch können keine Überschwemmungsereignisse mehr auftreten, und die Erlen verlieren ihren Lebensraum. Die Grünerle hingegen wächst nur buschförmig oberhalb der Waldgrenze und ist zur Hangsicherung oberhalb von Siedlungen und Straßen wichtig.

Erlen selbst sind zwar noch nicht gefährdet, aber ihr Lebensraum, der Auwald, steht europaweit unter Druck. Über 70 Prozent der Flüsse und Bäche in Österreich sind verbaut oder gestaut. Damit geht ein wichtiger Lebensraum zusehends verloren. Mittlerweile gibt es in Österreich nur mehr weniger als 100.000 Hektar Auwald, während es 1970 noch das dreifache war. Laut Schätzungen sind in den letzten Jahrzehnten rund zwei Drittel des heimischen Aubestandes durch Rodungen, Flussregulierungen und Wasserkraftwerksbau verschwunden.

Gerade mit ihren Eigenschaften als Stickstofffixierer kann die Erle karge Böden mit Nährstoffen anreichern und wird damit zur ökologisch besonders wertvollen Art für eine Vielzahl von weiteren Pflanzen und Tieren.

Die Erle bietet direkt oder indirekt Lebensraum für über 150 Insektenarten (alleine 75 Schmetterlingsarten), Nahrung für mehrere Dutzend Vogelarten und über 70
Großpilzarten.